Stark abgenutzte Zähne, ein Bild, das Zahnärzte immer häufiger zu sehen bekommen. Eine Ursache dafür ist sicherlich die gestiegene Lebenserwartung. Aber auch ein gestiegenes Bewusstsein für die Zahnpflege ist daran nicht ganz schuldlos. Das klingt zwar auf den ersten Blick paradox, ist es aber nicht. Denn die Menschen in den Industrieländern haben heute bis ins hohe Alter ihre eigenen Zähne. Der Abbau der Zahnsubstanz ist häufig auf ganz natürliche Abnutzungsprozesse zurückzuführen. Die starken Verschleißerscheinungen, die Mediziner immer häufiger jedoch bei jungen Menschen finden, lassen sich nicht alleine durch Abnutzung erklären. Die Ursachen, die diesen Vorgang bedingen, sind vielfältig und lassen sich meist nur durch eine genaue individuelle Analyse bestimmen.
Die Zahnmediziner unterscheiden zwischen einem natürlichen und einem krankhaften Verschleiß. Ein natürlicher Abbau der Zahnsubstanz ist meist mit dem Alter des Klienten zu erklären. Komplizierter ist die Ursachenforschung bei der unnatürlichen Erosion. Ernährungsgewohnheiten spielen dabei ebenso eine Rolle wie berufliche Faktoren (Stress). Unterschieden wird zwischen mechanischer und chemischer Abnutzung: Mechanische Ursachen können beispielsweise eine falsche Verwendung von Zahnbürste und Zahnpasta sein, durch die der Zahnschmelz geschädigt wird und an Härte verliert. Zu starke Kaukräfte oder beispielsweise das Beißen auf Pfeifenmundstücken können ebenso ein Grund für den Abbau der Zahnsubstanz sein wie das nächtliche, häufig durch Stress hervorgerufene Zähneknirschen. Lokalisiert der qualifizierte Zahnarzt die von der Abnutzung betroffenen Bereiche richtig, kann er aufgrund ihres spezifischen Musters meist schon mögliche Gründe benennen.
Bei dem auf chemische Ursachen zurückzuführenden Abbau der Zahnsubstanz können die Lebensgewohnheiten der Patienten sehr aufschlussreich sein. Der häufige Verzehr säurehaltiger Speisen (bspw. Zitrusfrüchte) und Getränke (Orangensäfte) schwächt die Zahnoberfläche und kann zu einem beschleunigten Abbau beitragen. Chemische Erosion ist ein, wenn nicht der Hauptfaktor für den Verlust der Zahnsubstanz. Studien haben ergeben, dass in 89 Prozent der Fälle krankhaften Verschleißes Ernährungsgewohnheiten oder besondere Umweltfaktoren diese Entwicklung verursachen.
In einem ersten Schritt klärt der Zahnarzt, ob die Ursachen mechanischer oder chemischer Natur sind. Erst dann kann er adäquate Behandlungsmethoden einleiten. Wird früh genug erkannt, dass die Substanz der Zähne mit zunehmender Geschwindigkeit abnimmt, kann durch ein gezieltes Eingreifen diesem Vorgang entgegengewirkt werden. Als Behandlung kann eine Umstellung der Ernährung erfolgreich oder auch eine funktionsdiagnostische Therapie mittels einer Aufbissschiene oder einer Zahnkorrektur angeraten sein. Ist die Erosion der Zähne schon so weit fortgeschritten, dass es für zahnerhaltende Maßnahmen zu spät ist, kann der spezialisierte Zahnarzt beispielsweise durch Implantate, der Natur nachempfundene Zahnwurzelnachbildungen, die Lebensqualität seiner Patienten wiederherstellen.